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Tiefsinniges in hohem Tempo

Schafflund , den 26. 03. 2019
Mit den Worten, ihrem heutigen Künstler den „Ehrenkranz der Dauergäste“ überreichen zu wollen, kündigte Ilse Petersen, Vorsitzende des Ortskulturrings Schafflund, die Kabarettistin Simone Solga an. Bei ihrem dritten Besuch präsentierte Solga ihr aktuelles Programm „Das gibt Ärger“.

Simone Solga fühlt sich auf der Bühne zu Hause, ihre Auftritte im Fernsehen sieht sie zunehmend kritischer, da sie dort ihre mitunter sehr spitze Zunge mäßigen müsse. Tatsächlich spricht Solga unangenehme Wahrheiten an, sie positioniert sich und fordert die Anwesenden am Ende des zweieinhalbstündigen Programms auf, es ihr gleichzutun. In ihrem Programm bittet Solga um Asyl in Schafflund. Sie sei aus dem einzigen Irrenhaus geflüchtet, in das viele freiwillig gehen wollen, dem Kanzleramt, wo sie als „Souffleuse“ von Angela Merkel agiere. Weil deren Tage als Kanzlerin gezählt seien, denkt Solga an die Zukunft. Wer und welche Partei werden nach Merkel an die Macht kommen? Andrea Nahles, mit ihrer Angst vor der Fünf-Prozent-Hürde für die SPD, oder AKK aus dem Saarland?

Diese und auch andere Politiker sind für Solga keine Alternative. Als ehemalige DDR-Bürgerin fragt sie sich, ob man nach 1989 wirklich seine Meinung sagen und dabei die Gute sein darf. Sie nennt Beispiele aus der Asylpolitik, aus Afrika, mit seinem immensen Bevölkerungswachstum und den daraus resultierenden Folgen sowie aus der aktuellen gesellschaftlichen Entwicklung in Deutschland, die laut Solga das Problem der freien Meinungsäußerung aufzeigten und die in Zeiten des Internets häufig nur noch polarisiert würden.

Solga steht auch zu ihrer Leidenschaft für ungesundes Essen und stellt lapidar fest, dass, ganz und gar im Gegensatz zu früheren Zeiten, heutzutage die Reichen dünn und die Ärmeren fett seien. Kritisch äußert sie sich zu den Freitagsdemonstrationen der Schüler, die sich um ihre Zukunft sorgen. Solga fragt sich, ob diese sich in ihrem Alltag klimaneutral verhalten, und spricht damit aus, was viele im Schafflunder Publikum denken. Für diese und andere Äußerungen erhält Simone Solga Beifall, der mitunter auf sich warten lässt. Dies ist dem hohen Tempo und den tiefsinnigen Ausführungen Solgas geschuldet, denn Zeit zum Nachdenken bleibt kaum, da Solga ununterbrochen redet.

Die Erfolgsgeschichte des Kulturabos, mit dem der Eintritt zu vier hochkarätigen Kleinkunstveranstaltungen erworben wird, wird sich auch in der kommenden Saison fortsetzen, denn mit Florian Schröder, Ehnert vs Ehnert, Werner Momsen und Lars Redlich konnten erneut namhafte Künstler für einen Auftritt verpflichtet werden.

 

Text - SHZ awe